Mauretanien
Land aus Sand - Leben im Sand

Fotos (Teil 2)
aus dem Tagebuch (Teil 2)
08. November 2008 ...und noch immer in Nouakchott... Werde wegen des Versuchs ein Bild von der deutschen Botschaft zu „schießen“ beinahe festgenommen. Bleibt mir nur eine Beschreibung des Gebäudes: eine imposante, bunkerartige Festung hinter einer dicken, weißen Mauer, die mit Stacheldraht überzogen ist. Mehrere Militärposten sind außen um die Anlage platziert, die insgesamt besser bewacht wird als der Präsidentenpalast – von dem ein Foto zu machen ich vorsichtshalber dann doch Abstand nehme.
09. November 2008 Auf dem Weg in den Senegal. 50 Km südlich von Nouakchott beginnt die Wüste langsam in eine grünlich schimmernde Steppe überzugehen. 20 Km später wieder feine, gelb-rote Sanddünen, allerdings nimmt der Baumbestand zu, Akazien: Vorsicht erhöhte Plattengefahr.
10. November 2008 Die letzten Kilometer durch den Süden Mauretaniens entpuppen sich noch einmal als kleine Herausforderung: starker Gegenwind, ständiges Auf und Ab, und das Thermometer meines Fahrrad-Computers klettert auf 53 Grad – ja, sicher: das Ganze in der Sonne, aber ich fahre ja auch nicht im Schatten. Ich trinke 8 Liter. Trotzdem: Zum ersten Mal auf einer meiner diversen Radreisen bekomme ich leichte Krämpfe in Waden und Oberschenkeln. Bei Km 6.851 erreiche ich den Grenzübergang zum Senegal in der Ortshaft Rosso. Es heißt, dieser Grenzübergang sei der Schlimmste in ganz Westafrika, und das ist durchaus möglich: Nepper, Schlepper, Chaos, Gedränge, Halsabschneider und (endlich auch mal richtige) Banditen... Nach dreieinhalb Stunden bin ich durch, hab's überlebt. Die Verluste sind zu verkraften: viel Schweiß, ein paar Nerven und die Sonnenbrille, die im Chaos den Besitzer gewechselt hat. Der wird allerdings aufgrund meiner Gläserstärken wenig Spaß haben.
Fotos (Teil 1)
aus dem Tagebuch (teil 1)
01. November 2008 Erreiche um 13 Uhr 30 die Grenze zu Mauretanien. Der Schlagbaum ist unten. Siesta. Warten bis 15 Uhr. Einreiseprozedur dann viel schneller als erwartet: in 40 Minuten bin ich durch.
02. November 2008 In einem unscheinbaren Campingwagen mit der vielversprechenden Aufschrift „Boutique“ wechsele ich meine letzten marokkanischen Dirham zu einem miserablen Kurs. Egal. Hauptsache ich kann was zu trinken kaufen.
03. November 2008 Der Wind peitscht den gelben Sand in Schlangenlinien über den schwarzen Asphalt. Schön anzusehen. Nur nicht zum Radeln: Die Sandkörner prasseln wie Regentropfen auf die Haut, schmerzen wie Nadelstiche. Der Sandstaub ist bald überall: in der Nase, in den Ohren und zwischen den Zähnen hört es nicht mehr auf zu Knirschen. Trotz allem: 177 Kilometer zurückgelegt. Einziger Wermutstropfen: Habe bei einer Pause nicht aufgepasst und Molly umfallen lassen. Jetzt ist der Rückspiegel abgebrochen und auch nicht mehr zu reparieren. Gar nicht gut.
04. November 2008 Der stürmische Wind ist heute noch schlimmer als gestern und er knallt praktisch nur noch von vorne ins Gesicht. Dennoch: Um 15 Uhr 30 nach 126 Tageskilometern bin ich in Nouakchott. Erschöpft, aber glücklich und zufrieden.
06. November 2008 Noch immer in Nouakchott gehe ich abends auf ein Musik-Konzert einer Gruppe aus Mali: Bassekou Kouyate & N'Goni Ba. Sensationell. Rhythmen, die jeden zur Begeisterung treiben. Die Sängerin mit einer Stimme zum Heulen schön. Mein erstes „schwarz-afrikanisches“ Kulturerlebnis: nicht Fußball, sondern Musik!
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