Massiré

Massiré ist Gärtner und stammt aus dem Süden Senegals, aus der Casamance. Dort, so sagt er, sei der Boden viel besser als hier im Norden, aber es gebe keine Arbeit und deshalb sei er fortgegangen. Massiré hofft, eines Tages nach Frankreich oder Italien auswandern zu können und dort einen Job zu finden. Aber das mit den Papieren sei sehr schwer, sagt er. Außerdem habe er gehört, dass es auch in Europa nicht leicht sei, Arbeit zu finden. Zum Abschied schreibt mir Massiré seinen Namen in den Sand, damit ich ihn nicht vergesse, auch wenn in zwei Stunden die Flut kommt...
Impressionen aus dem Senegal
Mal was anderes:
bei Ebbe am Strand entlang. Ein paar Fischerdörfer und Eselskarren, ein Hund, der sein Leben lebt, sonst Einsamkeit pur. Abends ein Lagerfeuer, etwas zu Essen und zu Trinken, Millionen von Sternen über mir und weit draußen auf dem Meer die flackernden Lichter der Fischerboote.
aus dem Tagebuch
10. November 2008 Raus aus Mauretanien, rein in den Senegal. Kaum ist der gleichnamige Grenzfluss überquert, ändert sich die Vegetation. Nach 33 Tagen Wüstenlandschaft ist ab jetzt wieder viel Grün entlang der Strecke und ich würde am liebsten jeden Baum, jeden Strauch, jeden Grashalm fotografieren... Für mich bedeutet der Grenzfluss nicht nur, in ein neues Land zu kommen, sondern wieder in eine andere Welt: der Fluss markiert die Grenze zu Westafrika, zu „Schwarzafrika“...
11. November 2008 St. Louis: so ähnlich habe ich mir Schwarzafrika vorgestellt: alles ist bunter, lebendiger, lauter und nicht mehr so streng religiös wie in Marokko und Mauretanien. Die Frauen und Mädchen schauen mir wieder ins Gesicht und lachen mich an. Die Männer sind schwarz wie die Nacht, viele groß gewachsen, muskulös... Und für mich gibt es endlich wieder Bier zu kaufen. Ein Eisgekühltes bei der Hitze ist einfach herrlich...
12. November 2008 Da ich nicht nur von Bier leben kann, teste ich diverse frisch zubereitete Säfte, u.a. Tamarin, den Saft habe ich schon in Südamerika lieben gelernt und er schmeckt auch hier vorzüglich. Dazu gibt’s einen großen, tiefen Teller „Yassa“ (Reis mit Fleisch und Zwiebelsauce). Bin schon mehrmals gefragt worden, ob ich auf der Radreise abgenommen hätte. Nein, ich habe nicht abgenommen – ich habe zugenommen!
15. November 2008 Gönne mir vier entspannte Ruhetage in der „Zebra-Bar“, südlich von St. Louis. Ursula und Martin aus der Schweiz haben hier vor 13 Jahren ihr kleines Paradies gefunden und bieten es Afrika-Reisenden als Treffpunkt und Ort der Erholung an: eine weitläufige Anlage mit Bungalows, aber auch mit Zeltmöglichkeit. Das Ganze direkt neben einem Nationalpark und am Rande einer Lagune; zum Atlantik muss man nur mit dem Kanu übers Wasser paddeln...Also paddele ich hinüber, schwimme im Meer, sammele wunderschöne Muscheln und lasse mich abends kulinarisch im hauseigenen Restaurant verwöhnen.
17. November 2008 Nehme einen Tipp von Ursula wahr und fahre mit Molly am Strand entlang gen Süden. Ein ganz neues Radfahr-Erlebnis, noch nie gemacht. Muss mich zwar nach den Gezeiten richten und auf die Ebbe warten, aber dann rollt es sich besser als auf so mancher Asphaltpiste. Mit durchschnittlich 20 – 25 Km/h Richtung Dakar. Als es dunkel wird, schlage ich mein Nachtlager am einsamen Strand auf und suche Holz für ein Lagerfeuer, dessen Glut erst gegen 23 Uhr langsam erlischt und mir eine heiße Mahlzeit und einen dampfenden Kaffee beschert. Eine herrliche Nacht unterm Sternenmeer...
19. November 2008 Am Neckar lachte man mich noch ungläubig aus, wenn ich sagte, ich sei mit dem Fahrrad auf dem Weg nach Afrika. Jetzt, hier im Senegal, da fragen alle nur noch, ob mein Ziel Kapstadt sei.
21. November 2008 Mbour: weit über 30 Grad im Schatten, schwül. Die Klimaanlagen laufen überall auf Hochtouren (nur nicht in meiner bescheidenen Unterkunft). Immer wiederkehrende Stromausfälle machen „das Arbeiten“ im Internet-Café schwierig. Oft wird der Bildschirm schwarz, ehe ich abspeichern oder eine mail verschicken kann.
23. November 2008 In den Mittagshitze erreiche ich den Grenzübergang nach Gambia. Spreche den Grenzbeamten wie gewohnt auf Französisch an. Sehr peinlich. In Gambia wird Englisch gesprochen. Im Gegenzug zu meiner Unaufmerksamkeit knallt mir der Grenzer einen Ausreisestempel in den Pass statt einen Einreisestempel. „No problem“, sagt er und hält den Pass vor sich in die Höhe als wolle er schauen, ob er die Seite nicht einfach rausreißen kann. Zum Glück tut er das nicht, sondern notiert mit Kugelschreiber in den falschen Stempel „cancelled“. Danach gibt’s den richtigen...
26. November 2008 Serekunda, Gambia: 12 Uhr 40. Nach zwei-einhalb Tagen und über 120 Km Hin- und Herradelns habe ich endlich meine Visa für Guinea-Bissao, Guinea und Sierra Leone beisammen. Das Visum für Mali hatte ich schon in Nouakchott, Mauretanien, besorgt.
28. November 2008 Der Grenzübergang von Gambia in den Süden des Senegal verläuft diesmal ohne Probleme... Erreiche Kafountine, einen kleinen Fischerort in der Casamance, direkt am Atlantik, subtropische Vegetation. Jetzt weiß ich, was Massiré meinte, als er sagte, in seiner Heimat sei der Boden besser... In Kafountine übernachte ich bei Stefanie Rätsch, einer deutschen Künstlerin, die seit einigen Jahren hier lebt und nebenbei Fahrradtouren organisiert (siehe afrika-erleben.de und s-raetsch.de). Nachtrag: am Ende blieb ich drei Tage in Kafountine, faulenzend in der Hängematte, bei sehr netten Gesprächen mit Stefanie, die viel von den Menschen und ihren Traditionen hier zu erzählen weiß.
02. Dezember 2008 Es ist heiß und schwül, die Luft ist wie eine Wand. Ich kann verstehen, dass viele im Schatten sitzen und dösen. Jede Bewegung führt unweigerlich zum Schwitzen... und ich fahre Fahrrad. Die Strecke nach Ziguinchor ganz im Süden des Senegal ist gespickt mit Militärposten, mit Soldaten, die goldumrahmte Sonnenbrillen tragen. Manchmal donnert ein offener Armeejeep vorbei, das MG oben auf. Trotz eines Friedensabkommens ist die Separatistenorganisation M.F.D.C. zuletzt wieder aktiv gewesen, es gab Übergriffe, der Tourismus blieb zwischenzeitlich aus, durch die Militärpräsenz hat sich die Lage angeblich wieder beruhigt. Ich bin trotzdem gewarnt worden, nicht wild zu campen.
04. Dezember 2008 Der letzte Abstecher im Senegal führt mich nach Oussouye und Elinkine, ins Land der Diola.
06. Dezember 2008 Breche auf in Richtung Guinea-Bissao und Guinea. Keine Ahnung, wo und wann ich wieder einen brauchbaren Internet-Zugang finde.
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